Die Gerichtsmedizin – Faszination, Fiktion, Realität - Veranstaltungseindrücke

Am 12. April 2019 hatten wir den Gerichtsmediziner Prof. Dr. Klaus Püschel bei uns in der Feierhalle zu Gast. Die Spannung im Vorfeld war enorm, denn nicht nur ein volles Haus, sondern auch angekündigte Erzählungen über Ermittlungen aus berühmten Kriminalfällen, wie zum Beispiel der mysteriöse Tod des Uwe Barschel oder die grausamen Taten des Serientäters Fritz Honka, die er mit untersuchte, ließen einen vielversprechenden Abend erwarten.

Was die Besucher dann wirklich erlebten, hatte sich wohl kaum einer träumen lassen. Nicht nur die Lesung einer kleinen Passage aus einem seiner zahlreichen Bücher, sondern auch Fotos von seinem Arbeitsplatz und viele spannende Erzählungen (auch über Störtebekers Schädel) machten diesen Vortrag zu etwas ganz Besonderem.

„Für die älteren unter Ihnen bin ich der Quincy, für die jüngeren doch wohl eher Dr. Boerne vom Tatort Münster“, begann Dr. Püschel augenzwinkernd mit der Vorstellung seiner Person. Er erzählte von seinem spannenden Alltag. Schnell wurde mir bewusst, dass es nicht wie im Fernsehen ist. Im Gegenteil, es ist viel interessanter.

„Wenn auf jedem Grab, in dem die Leiche eines Menschen ruht, dessen Tötung nicht erkannt wurde eine Kerze brennen würde, wären Deutschlands Friedhöfe hell erleuchtet.“ Man wird nachdenklich bei seinen Worten. Erschreckend wie viele Menschen doch eines unnatürlichen Todes sterben, ganz zu schweigen davon wie viele Tötungsdelikte gar nicht als solche erkannt werden. Umso interessanter und erstaunlicher, einen so tiefen Einblick in die Arbeit der Gerichtsmedizin zu erhalten. Natürlich arbeitet der Gerichtsmediziner nicht im Alleingang, wie uns vielleicht so manche Fernsehserie glauben machen möchte, sondern mit seinem Profiteam. Püschel ist ein anerkannter und renommierter Mediziner. So ziert sein Gesicht nicht nur das Titelblatt einer Ausgabe von National Geographic, sondern auch das anderer Magazine. In den 70er Jahren war Püschel auch wichtiger Teil der Ermittlungen im Fall des Serienmörders Fritz Honka. Vielleicht haben einige die Verfilmung „Zum goldenen Handschuh“ bereits gesehen. Wie gesagt, ein Film. Wie die Realität aussah bekamen wir von Dr. Püschel zu hören und auch zu sehen. Unfassbar wozu Menschen imstande sein können. Der ganze Raum war mit Spannung gefüllt, man hätte in der Tat eine Stecknadel fallen hören können.

Es gibt aber nicht nur diese grausamen Taten, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. So manch schockierende Tat kann sich auch als skurriler Irrtum entpuppen. So wie die scheinbar weitere Tat des „Säurefassmörders“. In einem Hamburger Hinterhof wurde ein Fass mit neun vermeintlich abgetrennten, in Säure eingelegten Köpfen gefunden. Doch nach genaueren Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich dabei um simpel eingelegte Kohlköpfe handelte. Zum Glück hatten wir an diesem Abend auch etwas zu lachen, und das nicht nur einmal. Mir wurde bewusst, dass dieser Job sehr vielfältig ist und dass Gerichtsmediziner Menschen wie du und ich sind, die abends einfach nach Hause kommen und freudig von ihrem Kind mit den Worten begrüßt werden „Hallo Papa, hast du heute wieder ein Fass aufgemacht?“ Wirklich lustige Worte, wenn man bedenkt, dass Herr Dr. Püschel zu der Zeit die „Säurefassmorde“ mit aufdecken konnte. Eine weitere Anekdote handelte vom grausigen Fund einer abgetrennten Frauenbrust am Bismarck-Denkmal auf St. Pauli. Diese konnte dann doch als alte, verrottete Zitronenschale ausgemacht werden. Zum Glück.

Autorin: Sonja Lieck